Bonanza

  Deutsche Erstausstrahlung: 13.10.1962 ARD   

Bonanza ist eine der bekanntesten US-amerikanischen Fernsehserien der 1960er Jahre, die im Western-Milieu der 1860er Jahre spielt. Mit über 430 Folgen ist sie nach Rauchende Colts (635 Folgen) die zweitlängste Westernserie der Welt. Nach der deutschen Fernsehausstrahlung ist sie sogar die längste, da bis auf 5 Folgen alle Episoden im Lauf der Zeit im deutschen Fernsehen zu sehen waren. Rauchende Colts brachte es “nur” auf 229 deutsche Folgen.

Bonanza ist ein englisches Wort spanischen Ursprungs für  “€žergiebige Goldgrube” oder auch €”Glücksfall”. Die Familie Cartwright, um die sich die Serie dreht, besteht aus dem Vater und seinen drei Söhnen. Die Ranch, auf der die vier Männer leben, heisst Ponderosa, benannt nach der dort wachsenden Ponderosa-Kiefer.

Ben Cartwright war insgesamt dreimal verheiratet. Aus jeder Ehe  stammt jeweils ein Sohn. Seine erste Frau Elizabeth lernte er durch ihren Vater, den Kapitän Abel Stoddard, in Boston kennen, wo Ben als Erster Offizier auf dessen Schiff diente. Elizabeth Stoddard starb 1829 bei der Geburt ihres Sohnes Adam. Cartwright hatte seiner Frau versprochen, seinen  alten Traum von einem Leben im Westen zu verwirklichen. Seine zweite Frau Inger traf er 1834 auf einer Reise nach Westen in Illinois, wo sie mit ihrem Bruder Gunnar einen Krämerladen betrieb. 1836 wurde  ihr gemeinsamer Sohn Eric “€žHoss” geboren, als sie auf dem Weg nach Westen waren, um eine Ranch aufzubauen. Der Sohn erhielt zunächst zwei Namen, Eric und Hoss; letzterer war auch der Spitzname ihres Bruders Gunnar. Inger starb auf ihrem Weg nach Westen bei einem  Indianerüberfall. Bens dritte Frau Marie aus New Orleans, die Mutter von Little Joe, starb nach einem Reitunfall, als Ben die Ponderosa bereits gekauft hatte.

Die Serie spielt meist an einem von zwei Hauptschauplätzen: auf dem Anwesen der vier Cartwrights auf ihrem Landbesitz Ponderosa einerseits sowie in der einige Kilometer ausserhalb der Ranch gelegenen Stadt Virginia City, dort insbesondere auf der Hauptstrasse oder im Saloon Silverdollar. In dieser Stadt erledigen die Cartwrights ihre regelmässigen Einkäufe  und Behördengänge, dort ist auch der zuständige Sheriff stationiert. Je  nach Handlungsstrang tauchen auch weitere Orte auf.

Ungefähre Lage der fiktiven Ponderosa-Ranch aus der Fernsehserie Bonanza. Die Kartendarstellung ist hier genordet, anstatt mit Ost nach oben wie im Vorspann der Fernsehserie, ausgerichtet.

In dem Trailer zur TV-Serie wird die ungefähre Lage der Ranch angedeutet. Demnach befindet sie sich zwischen dem Lake Tahoe und dem Washoe Lake im US-Bundesstaat Nevada, grenzt im Osten an Carson City und erstreckt sich gegen Norden in den Bereich zwischen Virginia City und Reno, ohne den beiden Städten wirklich nahezukommen. Ein Teil der Strasse von  Carson City nach Virginia City gehört zum Gebiet der Ponderosa.

Sämtliche Handlungen der Serie sind von einer tiefgreifenden Moral geprägt, für  die der weise Ben Cartwright Pate steht. Ein Merkmal von Bonanza ist, dass die Cartwrights gegen die Verherrlichung von Gewalt sind. Ein wiederkehrendes Element ist, dass es sich bei einem Erschossenen um  einen vorherigen Freund der Familie handelt, der im Laufe des Plots charakterlich Veränderungen durchlebt, die sich später beispielsweise durch unmoralisches Verhalten äussern. Auch wird jeder der vier  Cartwrights im Laufe der Serie mehrfach irgendwelcher, nicht von ihm  begangener, Straftaten bezichtigt und von einem Sheriff im City Jail  eingesperrt, von Indianern gefangengehalten oder von einem Lynchmob verfolgt, während die anderen sich bemühen, die falsche Anschuldigung zu klären und ihn zu befreien, wobei sie nicht selten selbst in Gefahr  geraten. Dramaturgie entwickelnde Meinungsverschiedenheiten,  Missverständnisse und Aggressionen sind oftmals etwas naiv inszeniert.  Am Ende jeder Episode sind stets alle Konflikte gelöst.

Mit Frauen haben die Cartwrights kein Glück. Zwar betätigen sich die Söhne bei jeder Gelegenheit als Schürzenjäger und jeder der vier Cartwrights hat im Laufe der Serie die eine oder andere Romanze, aber  die endet stets tragisch, tragikomisch oder sonst wie erfolglos.  Jedenfalls zieht keine Frau dauerhaft auf der Ponderosa ein. Wiederkehrend ist auch das kollektive Bestreben der vier Cartwrights,  Durchreisenden bei Problemen zur Seite zu stehen, andererseits aber auch Eindringlinge und Aggressoren von der Ranch zu vertreiben. Ein Running Gag in der Serie besteht darin, dass Hop Sing, der chinesische Koch der  Cartwrights, des öfteren verärgert seinen Job kündigt, aber immer wieder zum Bleiben überredet wird.

Die vier Cartwrights sind freundschaftlich und solidarisch mit dem regelmässig auftretenden Sheriff von Virginia City, Roy Coffee,  verbunden. Dieser ist ein älterer Mann, dessen Handlung meist als besonnen und umsichtig dargestellt wird.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Ponderosa lebt der Indianerstamm der Paiute, dessen Verhältnis zu den Cartwrights ambivalent dargestellt wird. Die  Familie selbst steht den Indianern freundschaftlich gegenüber, diese  handeln jedoch teils freundlich, teils feindlich den vieren gegenüber, wie überhaupt die vier Rancher Indianern grundsätzlich freundlich  gesinnt sind und sie gegenüber Feindseligkeiten von Weissen stets in Schutz nehmen.

Ein weiteres typisches Element der Serie: In jeder Folge spielt  ein Gaststar (gelegentlich auch zwei Stars) mit. In der Regel handelt es sich um Schauspieler, die aus anderen Serien und Filmen der 1950er und 1960er Jahre bekannt sind. Zu den prominentesten zählen James Coburn, der in insgesamt drei Folgen (11, 56, 98) zu sehen war, Charles Bronson in der Folge 180 als Harry Starr und Telly Savalas als Charles Augustus Hackett in der Folge 197. George Kennedy trat in den Folgen 61 und 174 auf, Jack Elam in den Folgen 49, 253, 374 und in dem Spielfilm Bonanza €”Die Rückkehr auf die Ponderosa”, Aldo Ray in Folge 171 als Leif Jessup, die Star-Trek-Stars Leonard Nimoy als Freddy in Folge 46 und DeForest Kelley in den Folgen 69 und 112 sowie der Doppelfolge 219/220, die vier Jahre später als Die Männer von Bonanza, sie ritten wie der Wind in den deutschen Kinos zu sehen war.

Untypisch für das Western-Genre ist dagegen, dass in vielen  Episoden kein einziger Schuss fällt und die Handlung genauso gut zu anderer Zeit oder in anderem Umfeld spielen könnte.

Lorne Greene (in den Rollen von Ben Cartwright und dessen Doppelgänger Bradley Meredith) ist der einzige Hauptdarsteller, der in allen  deutschen Fassungen von Bonanza vom selben Sprecher, Friedrich Schütter, synchronisiert wurde (in den ersten, von der ARD ausgestrahlten Folgen war allerdings noch Heinz Klevenow die Synchronstimme). Nach Bonanza landete Lorne Greene zwischen 1978 und 1980 noch einen Serienerfolg mit der Hauptrolle in Kampfstern Galactica, in der ihn ebenfalls Friedrich Schütter sprach. Der im September 1987 verstorbene Greene war nur 13 Jahre älter als seine beiden “€žSöhne” Pernell Roberts und Dan Blocker.

Pernell Roberts (bis Folge 195) stieg 1965 nach Ende der sechsten Staffel aus der Serie aus, er wurde zwei Staffeln später durch David Canary in der Rolle des Candy ersetzt. Pernell Roberts liess sich aus der Serie schreiben (Adam verliess die Ponderosa, um in St. Louis Medizin zu studieren), da er nicht mehr nur einen Cowboy verkörpern wollte. Er  starb am 24. Januar 2010. Canary spielte in den Staffeln 9 bis 11 und stieg dann wieder aus, weil man sich nicht auf seine Gage einigen  konnte. Er wollte die gleiche Bezahlung wie die anderen drei  Hauptdarsteller, was der Produzent ablehnte. Mit Beginn der 14. und letzten Staffel kehrte er dann nach Dan Blockers Tod mit vollem Gehalt in die Serie zurück.

Den Verlust von Dan Blocker (Hoss) durch dessen Tod im Mai 1972  konnte die Serie nicht verkraften. Es wurde zwar noch eine weitere  Staffel produziert; sie stiess aber auf geringes Interesse und wird bei  Wiederholungen teilweise ausgespart. Die Produktion wurde im Januar 1973 endgültig eingestellt. Im amerikanischen Fernsehen wurden später alle  Folgen der Serie unter dem Titel Ponderosa wiederholt.

Nach dem Ende von Bonanza setzte Michael Landon seine Karriere erfolgreich fort. Er spielte die Hauptrolle in den Serien Unsere kleine Farm und Ein Engel auf Erden. Bereits in einigen der späten Bonanza-Folgen hat er neben seiner  Arbeit als Schauspieler Drehbücher geschrieben und Regie geführt, was er in seinen anderen Serien fortsetzte. Er starb am 1. Juli 1991.

In den letzten Staffeln von Bonanza wurde der von Mitch Vogel gespielte Adoptivsohn von Ben Cartwright namens Jamie in die Serie   eingeführt. Bereits in der fünften Staffel wurde versuchsweise die Figur William Cartwrights, gespielt von Guy Williams, in die Serie  aufgenommen. Dieser sollte später Pernell Roberts  ersetzen, konnte sich aber nicht durchsetzen und wurde aus der Serie  herausgeschrieben.