Das Zauberkarussell

 Deutsche Erstausstrahlung: 3.9.1966 ZDF

Das Zauberkarussell war eine ursprünglich französische Fernsehserie für Kinder, die in Deutschland ab dem 3. September 1966 vom ZDF gesendet wurde, zuerst sonntags nachmittags und später samstags.

Über 500 jeweils fünf Minuten lange Folgen der Puppentrickserie wurden von 1963 bis 1967 von Serge Danot produziert. Die Pilotsendung wurde nie ausgestrahlt. Die Serie wurde vom 6. Oktober 1964 bis 1971 unter dem Titel Le manège enchantè in Frankreich ausgestrahlt und war sofort ein voller Erfolg beim Publikum.

Die Serie wurde weltweit von mindestens 98 Fernsehsendern ausgestrahlt und in 28 Sprachen übersetzt.

Die Figuren haben in der deutschsprachigen Fassung folgende Namen:

  • Zebulon: ebenso wie im französischen Original heisst das undefinierbare Wesen “Zebulon”, so wie einer der 12 Stämme Israels, kann mit seinem Schnurrbart zaubern und ruft mit rollendem R: “Turnikuti, Turnikuta, der Zebulon ist wieder da!”. Er hüpft auf einer Sprungfeder statt Beinen, kündigt sich immer mit einem “Boing!” an und schickt die Kinder am Ende jeder Folge ins Bett.
  • Pollux: Der weisse, zottelige Hund Pollux lebt nach einer  strengen Diät. Die einzige Nahrung, die er zu sich nimmt, ist Zucker in  Würfelform.
  • Wilma: diese rosa Kuh kaut ständig Blumen.
  • Vater Pivoine: Der Gärtner mit der Drehorgel ist in der ersten Folge traurig, weil sein magisches Karussell weg ist. Zebulon bringt ihn in den Garten mit dem Zauberkarussell und er ist wieder froh.
  • Margot: ein patentes kleines Mädchen, welches Alice im Wunderland ähnelt.
  • Basil: ihr kluger Freund, der immer einen Trainingsanzug trägt
  • Castor: dieser Hase baut Pflanzen in seinem Garten an.
  • Hugo Schneckerich: eine kleine sächsisch sprechende Schnecke.

Ursprünglich diente die Serie als Test für das französische SECAM-Übertragungssystem und wurde zum Symbol für dieses Verfahren. Die Bildwiederholrate lag bei 24 Bildern pro Sekunde, es wurden also       7.500 Bilder pro Episode in Stop-Motion-Technik aufgenommen.

In Grossbritannien wurde die Sendung ab 1965 unter dem Titel The Magic Roundabout bekannt. Die Sendung war einerseits durch ihre Buntheit und die kleinen Geschichten bei Kindern sehr beliebt, auf der anderen Seite wurden aber auch durch die ironischen, zum Teil schon satirischen Dialoge auch die Erwachsenen angesprochen. Die Übersetzung vom Französischen ins Englische wurde von Eric Thompson (dem Vater der Schauspielerin Emma Thompson) gefertigt. Nachdem er als Sprecher für die Serie ausgewählt worden war, löste er sich von den französischen Texten und erfand eigene, zu den  Bildern passende Dialoge.

Auch die Figuren hatten andere Namen als im französischen Original oder der deutschen Fassung:

  • Dougal, der Hund (dt.: Pollux), der im französischen Original mit einem starken britischen Akzent sprach.
  • Zebedee, der Zauberer (dt.: Zebulon)
  • Ermintrude, die Kuh (dt.: Wilma)
  • Mr. MacHenry, der Gärtner (dt.: Vater Pivoine)
  • Florence, das Mädchen (dt.: Margot)
  • Dylan, der Hase (dt.: Castor)
  • Brian, die Schnecke (dt.: Hugo Schneckerich)

Die Sendung vermittelte ein für die 1960er-Jahre typisches surreales und entspanntes Weltbild.

Die Sendung hatte im britischen Vorabendprogramm stets 8 Millionen oder mehr Zuschauer und hatte schnell Kultstatus inne. Die Sendung endete immer damit, dass das “Zebedee” die Kinder mit den Worten Time for Bed (“Zeit zum Schlafengehen”) ins Bett schickte. Die Sendung wird im britischen Fernsehen ziemlich regelmässig wiederholt und  erfreut sich immer noch grosser Beliebtheit.

Der feinsinnige Humor kann noch heute gut nachvollzogen werden, eine englische Videovariante von Second Sight Television hat die legendäre Folge aus dem Jahr 1970 (Dougal and the blue cat) in ihrem Programm, wobei ein blauer Kater im Auftrag seiner Herrin  alle, ausser Dougal, gefangen nimmt und die Welt blau einfärben will.  Dougal, der sich zwecks Tarnung blau eingefärbt hat, fliegt mit ihm auf den Mond und zitiert Neil Armstrong: “Oh, it's a small step for a dog, but a big step for dogkind”.

Eine Theorie zu dieser Sendung besagt, dass jede Figur eine Droge repräsentiert. Diese beruht darauf, dass der Hase “Dylan”  Pflanzen in seinem Garten züchtet, die sich im Aussehen stark von Karotten unterscheiden und eher an Hanfpflanzen erinnern. Das Gerücht kann einer näheren Betrachtung allerdings nicht recht standhalten.

Die etwas ungeschickte deutschsprachige Übersetzung derselben 80-minütigen Dougal and the blue cat-Folge, lief in  Österreich am Heiligen Abend 1974 und der blaue Kater tanzte  bei seiner Inthronisation mit seinen Stiefeln und sang “Ich bin der Könich” (“Ich bin der König”) mit einem für Österreicher unverständlichen und nur schwer zu ortenden Dialekt.

1992 kaufte die BBC die Rechte an 52 weiteren Folgen. Da Eric Thompson inzwischen verstorben war, wurden die Texte von Nigel Planer geschrieben und gesprochen..