Der goldene Schuss

 Deutsche Erstausstrahlung: 4.12.1964 ZDF

Der goldene Schuss war eine 90minütige Spielshow des ZDF. Sie gehörte zu den populärsten Fernsehshows der 60er Jahre.

Die ARD setzte bei ihren grossen Unterhaltungsshows auf Hans-Joachim Kulenkampff und Otto Höpfner. Um den beiden sehr beliebten Moderatoren etwas entgegenzusetzen, engagierte das ZDF Peter Frankenfeld und Lou van Burg. Frankenfeld präsentierte mit Vergissmeinnicht eine Show, die er sich selber ausgedacht hatte und die genau wie Der goldene Schuss von 1964 bis 1970 lief. Lou van Burg erhielt eine Show angeboten: Der goldene Schuss war eine technisch aufwendige Spielidee, die über ein Jahr Vorbereitung benötigte, bevor sie auf Sendung gehen konnte. Sie fusste auf der berühmten Apfelschuss-Szene aus Friedrich Schillers Wilhelm Tell.

Die Besonderheit war, dass die Zuschauer per Telefon unmittelbar in die Sendung eingreifen konnten: Es gab eine auf einem Stativ montierte, bewegliche Armbrust mit dahinter angebrachter Fernsehkamera. Dabei war die optische Achse des Kameraobjektivs mit der Linie Kimme -  Korn - Ziel identisch. So konnte der mitspielende Zuschauer am  heimischen Fernsehapparat mit den Kommandos Höher, Tiefer, Rechts, Links und Schuss auf eine Zielscheibe schiessen, indem ein Kameramann die Aktionen mit verbundenen Augen an einen Joystick ausführte, der sich an einer Säule neben der Armbrust befand. Es handelte sich damit um die erste interaktive Fernsehsendung in Europa. Schützen, die sich im Saal befanden, führten den Schuss direkt mit dem Joystick aus.

Der goldene Schuss lief donnerstags von 20.00 Uhr bis 21.30 Uhr, ab 1969 von     20.15 Uhr bis 21.45 Uhr.

Am 4. Dezember 1964 feierte die Show mit dem als "Mr. Wunnebar" bekannten holländischen Entertainer Lou van Burg Premiere, der sie zur beliebtesten Sendung des jungen ZDF machte - so kam die 16. Folge sogar aus dem Spielcasino in Monte Carlo. Nach drei Jahren folgte der Schweizer Schlagersänger Vico Torriani, der zwar ebenfalls sehr erfolgreich, aber doch etwas weniger beliebt war.

Für die musikalische Untermalung sorgte stets Max Greger mit seiner Bigband, der einen Vertrag mit dem ZDF abgeschlossen hatte und infolgedessen auch in anderen Shows des Senders zu sehen war.

Das Spiel fusste auf der berühmten Apfelschuss-Szene aus Friedrich Schillers Wilhelm Tell: Mit einer Tele-Armbrust, die an einer Fernsehkamera befestigt war, schossen vier Saalkandidaten und vier Fernsehzuschauer, die per Telefon zugeschaltet waren, auf einen Apfel, später auf eine Zielscheibe.

Der goldene Schuss darf als eine der ersten interaktiven Sendungen gelten. Der beste Schütze gewann den Titel Tele-Tell und einen Geldbetrag.

Lou begann eine Affäre mit seiner 29jährigen, verheirateten Assistentin Marianne Krems, die dabei ein Kind bekam. Hierzu gab Lous Lebensgefährtin, die 41jährige Angèle Durund, Interviews mit der Bild-Zeitung und verschiedenen Illustrierten, was sich zu einen regelrechten Fernseh-Skandal entwickelte. Daraufhin trennte sich das ZDF am 11. Juli 1967 von Lou. Der Intendant sagte hierzu, dass nicht das Privatleben, sondern die "Publikation in allen Boulevardmedien" ausschlaggebend gewesen sei.

Die 25. Ausgabe wurde am 25. August 1967 live von der der Berliner Funkausstellung gesendet: Es handelte sich um die erste nach Einführung des PAL-Formats offiziell in Farbe ausgestrahlten Show des deutschen Fernsehens - sie war ursprünglich noch mit Lou van Burg geplant.

  • Lou van Burg (1964 - 1967)
  • Vico Torriani (1967 - 2. Juli 1970)
  • Mit der 50. Sendung wurde die Show trotz guter Zuschauerzahlen eingestellt.

Bei den Vorbereitungen zum Apfelschuss musste von einem Mitarbeiter namens Peter immer ein Bolzen in die Armbrust eingelegt werden. Vico Torriani gab jedesmal rituell den Befehl dazu: "Bitte, Peter, den Bolzen."